Geschichte Louisenburgs

Louisenburg wurde in Napoleonischer Zeit im Zuge des Kanalprojekts "Grand Canal du Nord" gegründet.
 Wit halten jedoch auch die Zeit vor der Gründung für relevant.

 

Das Herzogtum Geldern (1393 - 1794)

Das Land um das spätere Louisenburg  gehörte zur Grafschaft Geldern. Die Grafschaft wurde 1339 zum Herzogtum erhoben und 
erstreckte sich von der Zuidersee im Norden bis nach Heinsberg im Süden, von Leerdam im Westen bis nach Bocholt im Osten.
 Rund 80 % des Gebietes lag in den heutigen Niederlanden. 

Das Herzogtum bestand aus vier Quartieren, den drei Niederquartieren Zutphen, Arnhem und Nijmegen sowie dem
Oberquartier Roermond. Um 1450 umfasste das Oberquartier die Ämter Middelaar, Kessel, Geldern, Straelen, Wachtendonk,
Montfort, Goch, Erkelenz und Krickenbeck.
Es reichte vom Reichswald im Norden (zwischen Goch und Nijmegen) bis nach Nieuwstadt südlich von Roermond.
Das spätere Louisenburg lag im Oberquartier Roermond und bildete zusammen mit den Herrlichkeiten Wankum, 
Herongen, Leuth, Grefrath und Lobberich das Land Krickenbeck. Dieses wiederum war Bestandteil des Amtes Krickenbeck.
Zum Amt Krickenbeck gehörten neben dem Land Krickenbeck auch Venlo - als eigenständiger Bezirk - und das Gebiet um 
Viersen. Hinsbeck war  Sitz des Landgerichtshofs "de Geer". Den Namen erhielt Land und Amt von dem bei Hinsbeck gelegenen 
Schloss Krickenbeck.
Regiert wurde das Land Geldern bis 1372 von den Grafen und Herzögen von Geldern. Als Erben übernahmen die Herzöge von Geldern 
und Jülich (1372-1423), später die Herzöge von Egmond (1423-1473 und 1492-1543) die Herrschaft. Zwischendurch regierten die Herzöge 
von Burgund (1473-1492).
Nachdem sich Herzog Wilhelm der Reiche im Jahre 1543 dem deutschen Kaiser Karl V. nach der Schlacht bei Venlo 
unterwarf (Kniefall von Venlo) und auf sein Herzogtum verzichtete, viel bei der folgenden Reichsteilung 1555/56 Geldern 
zusammen mit den Niederlanden an Spanien. 
Nach dem niederländischen Befreiungskrieg von 1568 bis 1648, dem 80-jährigen Krieg, wurden die Niederquartiere Arnhem, 
Zutphen und Nijmegen Teil der Generalstaaten der Niederlande. Sie bilden heute im Großen und Ganzen die niederländische 
Provinz Gelderland. Das Oberquartier mit Krickenbeck blieb bei der spanischen Krone. 
Unser Gebiet wurde seit je her von kriegerischen Truppen heimgesucht, dies sollte sich auch jetzt nicht ändern. Die durchziehenden 
Truppen mordeten und brandschatzen im ganzen Land und brachten der Bevölkerung viel Leid und Tod. So wurden 1424 Grefrath und 
Viersen, und im Jahre 1428 Leuth durch Truppen des Herzog Adolf von Berg niedergebrannt.
 
Auch nach dem Frieden von 1648 kam das Land nicht zur Ruhe. Darum wurden die Schanzen in den Dörfern wieder hergestellt und die 
Eingänge verbarrikadiert. Man richtete eine zum Teil berittene Landwehr ein, in Hinsbeck gehörten dieser sechs Männer zu Pferd 
sowie 30 zu Fuß an. Mit dieser Landwehr kam man in Notfällen den Nachbarorten zur Hilfe. Trotzdem ging Leuth im Jahre 1658 
abermals in Flammen auf. 
684 wurde Hinsbeck von Franzosen verwüstet und niedergebrannt, Schloss Krickenbeck geplündert. 
Die Gemeinden in der Umgebung  hatte im Jahre anfang des 18. Jahrhunderts gewaltige Schulden , dazu kamen viele Gulden an 
rückständigen Zinsen. Für die damalige Zeit waren das gewaltige Beträge. Lange Jahrzehnte konnte sich die Region von dieser 
Schuldenlast nicht befreien. Zur Tilgung der Schulden mussten die spanischen Niederlande 1673 die Gerichtsbarkeit 
verschiedener Ämter verkaufen.

Freiherr Wolfgang Wilhelm von Schaesberg, Herr auf Schloss Krickenbeck, erwarb dabei die Gerichtsbarkeit im Amt Krickenbeck 
mit den Herrlichkeiten Hinsbeck, Wankum, Leuth und Herongen. Im einzelnen zahlte er 7700 Pfund für Hinsbeck, 7840 für Wankum, 
5800 für Leuth und 3140 für Herongen. Er war damit Gerichtsherr und behielt den größten Teil aller anfallenden Gerichtsgebühren ein.

Im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges besetzten preußische Truppen im Jahre 1703 das Herzogtum Geldern. Es wurde 1713 im 
Frieden von Utrecht aufgeteilt. Der westliche Teil um Venlo kam zu den Niederlanden, der östliche Teil mit den Ämtern Krickenbeck, 
Geldern, Straelen und Wachtendonk wurde dem Königreich Preußen zugeschlagen und war fortan Teil des 
"Herzogthum Geldern königlich Preußischen Antheils". An Österreich fielen die Stadt Roermond und die Gebiete um Niederkrüchten, 
Elmpt und Wegberg. Doch noch immer gab es keine Ruhe für die Bevölkerung.
 

Gründung Louisenburgs unter Napoleonischer Herrschaft
Die französischen Revolutionstruppen kamen 1792 an den Niederrhein. Auch die Region um das spätere Louisenburg war betroffen. 
Zum Gegenangriff der preußischen Truppen am 3. Februar 1793 wird gemeldet: "Wir haben hier die zuverlässige Nachricht erhalten, 
dass bei Annäherung der königl. preußischen Truppen das Schloss Krickenbeck geräumt ist". 

Kurze Zeit später zogen Napoleons Truppen wieder ab. Zwei Jahre später jedoch kamen sie zurück und brachten Ende Oktober 1794 
die Lande westlich des Rheins endgültig in ihren Besitz. Die Region um Louisenburg gehörte bis 1814 zum französischen 
König- bzw. Kaiserreichreich. Die Franzosen teilten das neu errungene Gebiet 1798 in die vier Departements Roer, Rhein-Mosel, 
Saar und Donnersberg ein. Das Amt Krickenbeck und damit auch Louisenburg gehörte zum Roerdepartement. 
Napoleon 1., dem nach seinen Kriegserfolgen nahezu ganz Europa zu Füßen lag, war es bis 1808 nicht gelungen, die Machtstellung
 Englands zu brechen. Im Zusammenhang mit der verhängten Kontinentalsperre versuchte er nun durch eine Kanalverbindung 
Rhein-Maas-Scheide die Rheinschifffahrt von den holländischen Rheinhäfen fernzuhalten, um auf diese Weise Englands Festlandhandel 
empfindlich zu treffen. Das geplante Kanalobjekt war der ,,Grand Canal du Nord" kurz Nordkanal genannt.
Seine Länge vom Rhein bis Antwerpen war auf 115 km, vom Rhein bis Venlo auf 72,7 km projektiert und mit einem Kostenanschlag 
von 20 Mill. Francs festgesetzt. Der Kanal nahm seinen Anfang am Rhein bei dem Dörfchen Grimlinghausen, südöstlich von Neuß, 
kreuzte die Erft und wandte sich nordwestlich in Richtung Schiefbahn. Bevor er jedoch Schiefbahn erreichte, führte die Kanalzone 
wieder mehr westlich an Neersen vorbei und durchschnitt dann das Gelände östlich der Stadt Viersen. Im weiteren Verlauf führte die 
Kanalplanung geradewegs durch die Gemeinden Süchteln und Grefrath. 
Kurz hinter Grefrath bot das hügelige Gelände erhebliche Schwierigkeiten und verlangte eine fast rechtwinklige Abbiegung zu dem
niedrigen Gebiet der Krickenbecker Seen. Von dort aus führte das Kanalbett wieder nach Nordwesten den Hinsbeck - Herongen 
Höhenhang entlang, schneidet in der beim Kanalbau entstandenen Siedlung ,,Louisenburg" die jetzige Bundesstraße 221, 
führt durch die Heronger Feldmark zwischen Dorf und Bauernschaft Niederdorf hindurch und erreicht in einem weiten Bogen nach 
Westen ziehend bei der Stadt Venlo die Maas. Von dort sollte der ,,Grand Canal du Nord" zur Schelde führen und im Seehafen 
Antwerpen die Verbindung zum Weltmeere schaffen.

An vielen Stellen der bezeichneten Verlaufsstrecke sind noch heute deutliche Spuren des Kanals vorhanden, so zwischen Süchteln und Grefrath 
und namentlich in den Heronger Ortsteilen Louisenburg und Niederdorf.
Die Vermessungsarbeiten in Herongen waren Anfang Juli 1808 erledigt. August desselben Jahres wurde den Bewohnern der auf dem Kanalbereich
liegenden Häuser die Räumung befohlen. Am 3. Juli 1809 fand in Neuß die Kanalgrundsteinlegung statt, wozu die beteiligten Gemeinden ihre 
Vertreter entsandten. 1809 und die erste Hälfte des Jahres 1810 wurde mit größtem Eifer auf der ganzen Strecke am Kanalbau gearbeitet. 
Etwa zwei Drittel des Werkes waren dann fertiggestellt, zahlreiche Arbeiter hatten zur schnellen Vollendung beigetragen, 121/2 Mill. Francs 
waren verausgabt, als plötzlich Ende 1810 die Arbeiten völlig eingestellt wurden. Napoleon zwang seinen Bruder Ludwig, den er als König 
der Niederlande eingesetzt hatte, zur Abdankung und vereinigte durch kaiserliches Dekret vom 9. Juli 1810 Holland mit Frankreich. 
Nunmehr beherrschte er die Rheinhäfen Hollands unmittelbar und hatte an der Fertigstellung des ,,Grand Canal du Nord" kein Interesse mehr. 
Der Kanal wurde aufgegeben. Die Anlagen und Schleusen verfielen, die Schleusenwärterhäuser standen leer. 
Teils wurden sie auf Abbruch verkauft, teils anderen Zwecken zugeführt. Anträge einer Kreiskommission und des rheinischen Provinziallandtages 
an die preußische Regierung - nach dem Sturze Napoleons - blieben ohne Erfolg. Geldmangel nach den Befreiungskriegen verhinderte die 
Vollendung des Nordkanals.

Das Schleusenwärterhaus in Louisenburg war auf Abbruch verkauft worden, das in Niederdorf jedoch ist noch heute mit einem baumumsäumten 
Teich im ehemaligen Kanalbett und ausgedehnten Anlagen vorhanden.

In der Nähe des abgebrochenen Schleusenwärterhauses hatte die Kanalbauverwaltung Napoleons 35 Häuser burgartig zusammenbauen lassen, 
welche nach der Gemahlin Napoleons ,, Louisenburg" genannt wurden. Dieses Louisenburg, etwa 2 km südlich von Herongen, blieb bis 1817 
herrenlos liegen  und wurde dann von einem wohlhabenden Österreicher namens Linssen gekauft, der es durch Rodungen und Anpflanzungen 
weiter ausgestaltete. Er gründete dort eine Tonpfeifenfabrik, gab aber das Besitztum wieder auf und kehrte nach Österreich zurück. 
Nach den Befreiungskriegen war das Pfeifenrauchen aus der Mode gekommen. Noch heute findet man in den Gärten einiger Louisenburger 
Reste dieser Tonpfeifen.
Auch die Pfeife machte im Laufe ihrer Benutzungsgeschichte eine Wandlung vom bloßen Rauchgerät zum repräsentativen Objekt durch.
Im 17. Jh. wurden hauptsächlich weiße Tonpfeifen benutzt, die bereits Mitte des 18. Jh. billige Gebrauchsgegenstände geworden waren und 
größtenteils aus den Niederlanden importiert wurden. Teurer und eleganter waren Meerschaumpfeifen oder Pfeifen aus Porzellan und Holz. 
Im Laufe des 19. Jh. verlor die einfache Tonpfeife an Bedeutung. Zigarren kamen auf und Tonpfeifen, vorzugsweise noch von der ländlichen 
Bevölkerung verwendet, verschwanden allmählich oder wurden nur noch für den Export nach Übersee hergestellt. Die Sitte, Tabak in Form
 von Zigarren zu rauchen, verbreitete sich in Europa im Zuge der Napoleonischen Kriege. Die erste deutsche Zigarrenmanufaktur wurde 
1788 in Hamburg gegründet. Allerdings hat sich die Zigarre erst einige Jahrzehnte später durchgesetzt. Sie geriet in Mode und gewann im Zuge 
der Revolution von 1848/49 gar politischen Symbolcharakter. Bis dahin war das Rauchen in Preußen an vielen Orten wie öffentlichen Plätzen, 
Straßen und überall, wo mutmaßliche oder tatsächliche Feuergefahr bestand, verboten gewesen. Nur bei Choleraepidemien 
durfte ausnahmsweise im Freien geraucht werden. Gegen dieses Rauchverbot wurde häufig Beschwerde eingelegt. Seine Streichung wurde zur 
politischen Forderung, die 1848 mit der Aufhebung des Rauchverbots im Freien erfüllt wurde.
Nachdem Linnssen aufgegeben hatte, ging das Anwesen Louisenburg mit der Kanalzone ging in den Besitz der Reichsgrafen von
Schaesberg zu Krickenbeck über,  die dort ihren Revierförster sesshaft machten.

Nach Napoleons entgültiger Niederlage im Jahre 1814 erfolgte laut Beschluss des Wiener Kongresses im Jahre 1815 die erneute Teilung des 
Gebietes. Die östliche Hälfte des ehemaligen Oberquartiers wurde wieder dem Königreich Preußen zugeschlagen, die westliche Hälfte fiel an 
das neu gebildete  Königreich der Niederlande. Die neue Staatsgrenze verlief "einen Kanonenschuss von der Maas entfernt", so dass Venlo, 
Arcen und Roermond den Niederlanden zufielen.

Das ehemalige Herzogtum Geldern hatte aufgehört zu existieren, über Jahrhunderte gewachsene Verbindungen wurden plötzlich zerrissen.
Von nun an gehörte Louisenburg zum Königreich Preußen, welches später in das Deutsche Reich und schließlich in die Bundesrepublik
 Deutschland aufging.
Nach der kommunalen Neugliederung gehört Louisenburg mit Heronger zur Stadt Straelen..
 
unter Benutzung von:
Hans Steger: Heronger Heimatbuch
GENUSSmittelKULTUR,  ein Projekt des Instituts für Volkskunde der Universität Hamburg unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hengartner
 http://www.ralfhendrix.keepfree.de/html/aus_der_geschichte.html   Autor: Ralf Hendrix